Gutedel

Der Gutedel ist im Markgräflerland zu Hause. Die Weine sind von zartem, weinigem Aroma, einfachem, angenehmem Charakter, die eine milde und dennoch anregende Säure haben. Kurzum: sehr süffige Weine, die am besten jung schmecken

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Zur Geschichte des Gutedel

Verbreitung:

Als Tafeltraube dürfte der Weisse Gutedel und sein Bruder, der Rote Gutedel, über die ganze Welt verbreitet sein.

Als Keltertraube finden wir ihn vornehmlich in der Schweiz (besonders Westschweiz und Wallis), im Elsass, in Deutschland im badischen Markgräflerland und in geringem Umfange auch in Österreich.

Unbedeutende Anbauflächen finden sich noch in Ungarn, Jugoslawien und der Tschechoslowakei. Die deutsche Anbaufläche umfasst, nach der Statistik von 1982, 1255 ha, von denen 1251 ha im badischen Markgräflerland stehen.

Herkunft:

Angeblich soll der Gutedel aus der Türkei stammen. Ein Diplomat, der französische Botschafter am Hofe des Sultans Sohman 11., der Vicomte d'Auban, soll ihn 1523 von Konstantinopel nach der Burgund gebracht haben. Vielleicht wurde er nach dieser Einführung in dem Dörfchen Chasselas, südwestlich von Macon, erstmalig angebaut, weil dieses gelegentlich als Abstammungsort angesehen wird. Auch Cahors am Lot, nördlich Toulouse, wird als Ausgangspunkt angesehen.

Andere Angaben legen die Herkunft nach Ägypten, wo er seit 5000 Jahren angebaut wird, da mehrere Formen noch heute in der Oase El Fayum, 70 km südwestlich von Kairo, zu finden sind. Von den Römern wurde er dann angeblich nach Europa gebracht, weil er mit der von Plinius als ammineische Rebe beschriebenen Sorte übereinstimmen soll. Wie unsicher solche Angaben sind geht aus der Tatsache hervor, dass auch für den Riesling die gleiche römische Herkunft vermutet wird. Baden hat den Gutedel 1780 durch Markgraf Karl Friedrich aus der Schweiz von Vevey am Genfer See bezogen.

Sicher ist, dass wir es beim Gutedel mit einer sehr alten Rebsorte zu tun haben, die wie viele alte Rebsorten ihre Urheimat in Kleinasien haben könnte.

Sortenname:

Im deutschen Sprachgebiet wird heute die Bezeichnung Gutedel, im französischen die Bezeichnung Chasselas gebraucht.

Deutschland
Weisser Gutedel, Gutedel, Moster (Markgräflerland), Junker (Taubertal), Süssling, Silberling, Frauentraube, Schönedel (Sachsen), Krachmost, Doppelte Spanische

Schweiz
Chasselas (Westschweiz), Fendant, Rosmarintraube (Wallis), Gutedel (Ostschweiz), Dorin (Wallis), Terravin (Waadtland), Perlan (Genf)

Österreich
Weisser Gutedel, Moster, Wälscher

Frankreich
Chasselas blanc, Chasselas, Chasselas de Fontainbleau, Gutedel (Elsass), Chasselas croquant, Valais blanc

Italien
Marzemina bianca, Tribianco tedesco, Tribi vignoble

Jugoslawien
Biela pleminka praskava, Pulhat vignoble

Ungarn
Fehér ropvos Fabian, Gyöngyzölö, Fabiantraube

Tschechoslowakei
Dobrorozne, Chrupka (Böhmen)

England
Royale Muscadine, Amber Chasselas, White Chasselas, Queen Victoria

Sortenmerkmale:

Triebspitze, offen, rotbraun, kahl bis ganz schwach behaart;
Blatt mittelgross, hellgrün, rotgeadert, stark fünflappig, tief gebuchtet, stumpf gezahnter Rand, Stielbucht V-förmig bis geschlossen;
Trieb weitknotig, lange Ranken, starke Geiztriebbildung;
Holz rötlichbraun, deutlich gestreift, dunkel gefleckt;
Traube gross, kegelförmig, oft geschultert, locker- bis dichtbeerig;
Beeren grüngelb, sonnenseits gebräunt, gross, rund, dünnhäutig aber feste Beerenhaut;
Austrieb mittelspät;
Blütezeitpunkt spät bis sehr spät;
Blühfestigkeit mittelhoch;
Reife mittelspät;
Wuchs kräftig;
Ertrag hoch;
Holzreife gut.

Der Muskateller hat einen sehr ähnlichen Habitus, seine Blätter sind aber scharf gesägt, die des Gutedels deutlich gezähnt. Die Triebspitze des Gutedels ist kaum, die des Muskatellers schwach behaart. Der Muskat-Ottonel ähnelt dem Gutedel noch mehr, hat aber etwas kürzere Ranken.

Eigenschaften der Sorte:

Ansprüche an die Lage: Der Gutedel verlangt eine mittelgute, windgeschützte Lage, weil die Blüte etwas kälteempfindfich ist. In geschützten Gärten und an Hauswänden gedeiht er vorzüglich.

Ansprüche an den Boden: Die Böden sollen fruchtbar, tiefgründig und nicht zu trocken sein. Bei guter Düngung und Humusversorgung gedeiht der Gutedel auch in nicht zu flachgründigen Gesteinsverwitterungsböden. Auch Kalkböden sagen ihm zu.

Winterfrostfestigkeit: Sie ist mittelmässig und mit der des Ruländers vergleichbar.

Spätfröste führen zu starken ErtragsausfäUen, da die Beiaugen nicht oder nur wenig fruchtbar sind.

Krankheitsanfälligkeit: Gegen Peronospora und Roten Brenner hoch, gegen Oidium, Schwarzfleckenkrankheit und Botrytis weniger stark ausgeprägt.

Stiel- und Beerenfäule treten daher nur begrenzt auf. Gegen Stiellähme ist die Anfälligkeit hoch. Vom Traubenwickler wird der Gutedel stark befallen. Anfällig gegen Stielkrankheiten. Wenig anfällig gegen Beerenfäule.

Erziehung:
Die guten Ertragsleistungen einzelner Gutedelstöcke, die zur Tafeltraubengewinnung angebaut werden, zeigen dass eine weiträumige Pflanzung vorteilhaft ist.

Normalerziehung:
Bei Gassenbreiten von 1,80 m bis 2,00 m sind tockabstände von 1,20 m bis 1,30 m und Stammhöhen von 60-70 cm angebracht.

Weitraumerziehung:
Der Gutedel eignet sich ausgezeichnet für diese Erziehung, wobei die Form von untergeordneter Bedeutung ist. Der Schnitt kann auf lange Bogen, kurze Strecker oder Zapfen erfolgen, da die Sorte auf allen Formen gleich fruchtbar ist.

Unterlage:
SO4, in schwachen Böden 5 BB

Ertrag:
In geeigneten Lagen trägt der Gutedel regelmässig. Es werden Erträge zwischen 80 und 150 hl/ha erzielt.

Reife:
Die Traubenreife fällt in die Zeit zwischen Müller-Thurgau und Silvaner, ist also mittelfrüh.

Expertise

Schliengener Sonnenstück

Sorte: Gutedel

Anbaugebiet: Baden
Bereich: Markgräflerland

Bodenart: Lehmboden oder Kalk-Mergel-Boden
Mit hohem Tonanteil, tiefgründig, wärmespeichernd
Süd -West-Lage
30 - 50 % Hangneigung

Erzeuger:

Weingut Blankenhorn, Schliengen
Schliengen liegt im Herzen des Markgräflerlandes, im Dreiländereck zwischen Basel und Freiburg, also im südlichsten und wärmsten Teil Deutschlands. Das Weingut bewirtschaftet 25 ha Rebfläche naturnah, Mitgliedsbetrieb im VDP, Verzicht auf Pestizide und Herbizide, Düngung mit organischer Substanz und Begrünungseinsaaten.

Beschreibung:

Älteste Kultur-Rebe, über 5000 Jahre alt, Verbreitung in der Weinantike, vor allem Ägypten. Markgraf Karl-Friedrich von Baden brachte die Gutedel-Rebe 1780 vom Genfer See ins Markgräflerland.

Der «Markgräfler» gilt als Spezialität, da er kaum in anderen deutschen Weinanbaugebieten zu finden ist. Die Trauben sind gross und lockerbeerig, mit zarter Beerenhaut, ideal auch zur Traubenkur (Körperentschlackung).

Ein Zechwein, bekömmliche milde Säure, zartes Fruchtbukett, wird im Markgräflerland gerne im geraden, geschliffenen Glas getrunken.

Analyse: ca. 11,0 - 12,0 % Vol.
ca. 5,5 g/l Säure
ca. 1,0 g/l Restsüsse

Farbe: blass bis zartgelb
Aromen: reife Birne, buttrig
Geschmack: leicht nussig, weiche Fruchtsäure

Speisenempfehlung:

Passend zum Markgräfler Vesper, Spargel, hellem Fleisch, Kesselfleisch und Ochsenbrust, gedünsteten Fisch, Käse, Käsefondue und Raclette.

Trinktemperatur: Gutedel trinkt man je nach Jahreszeit bei 12-15 °C, zu jeder Tages- und Nachtzeit.

Ein Wein, der immer Freude bereitet und köstlich mundet, vor allem natürlich in geselliger Runde – er beschwert weder Kopf noch Magen - ganz im Gegenteil, er beflügelt.

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