Geschichte

Die Familie Blankenhorn lässt sich im Markgräflerland bis in das Jahr 1600 zurückverfolgen. Die äusseren Umstände waren nicht immer einfach, doch die Leidenschaft Wein führte das Weingut schliesslich erfolgreich durch die wechselhaften Zeiten.

Ideen pflastern ihren Weg

von Thomas Steinhilber

Die Familie Blankenhorn lässt sich im Markgräflerland bis in das Jahr 1600 zurückverfolgen. Schon bald entstehen zwei Familienzweige. Der eine führt nach Müllheim, der andere nach Obereggenen am Fusse des Blauen. Und diesen zweiten wollen wir verfolgen.

Landwirte und Weinbauern waren sie alle, doch dann kam Johann Friedrich im Jahre 1847 auf die Idee, zusätzlich eine Weinhandlung zu eröffnen.

Während der ersten zehn Jahre beobachtete die Familie gespannt die Entwicklung im benachbarten Schliengen. Dort nämlich vollzog sich gerade ein Strukturwandel, der den jungen Weingutpionieren nur recht sein konnte. Immer seltener kam die Postkutsche, dafür herrschte am neuerbauten Schliengener Bahnhof von Jahr zu Jahr immer grösserer Betrieb. 1857 war es dann soweit. Die alte Poststation, gleichzeitig Pferdeumspannplatz und Gasthaus «Zum Baselstab» musste schliessen und wurde zum Verkauf angeboten.

Als Johann Friedrich mit seinem kleinen Sohn zum erstenmal in die gewaltigen Tonnen- und Kreuzgewölbekeller der alten Poststation hinabstieg – sie waren aus dem Jahr 1624 – da schlug sein Herz höher und er muss sich wohl gesagt haben: «Jawohl, das ist es!» Bei der folgenden Versteigerung wurde solange mitgesteigert, bis das grossräumige Anwesen in den Besitz der Familie Blankenhorn überging.

Kometenhafter Aufstieg

Was nun folgte, war ein kometenhafter Aufstieg. Schon bald nachdem Familie und Gesinde mit Wein, Sack, Pack und Tieren von Obereggenen nach Schliengen umgezogen waren, lief der Weinhandel vor allem wegen der neuen Bahnstrecke so gut, dass viele Keller im Dorf dazugepachtet werden mussten. Gastronomen, Weinhändler aus der Ferne und private Kunden reisten bequem mit der neuen Eisenbahn an, suchten sich nach genüsslicher Verkostung ganze Fasspartien aus, die sie sich später mit dem Güterzug zukommen liessen.

Und weil das Weingut von jetzt an gar nicht so viele Weine hervorbringen konnte wie man hätte verkaufen können, wurden Weine von den umliegenden Bauern und Winzern für die wertvolle Kundschaft dazugekauft. Der Weinhandel bekam eine immer grössere Bedeutung.

Und so hätte es von Generation zu Generation friedlich weitergehen können, wäre da nicht der 2. Weltkrieg ausgebrochen. Als englische Bomberpiloten die weit ausladende Dachlandschaft des grössten Schliengener Weinguts aus der Luft betrachteten, vermuteten sie nicht zu unrecht, hier könnten sich Soldaten mit kriegswichtigen Fahrzeugen versteckt halten. 15 Minuten später war das Blankenhornsche Weingut dem Erdboden gleichgemacht. Der Bruder von Klaus Blankenhorn fiel im 2. Weltkrieg ebenso wie drei begabte Küfer und Kellermeister.

Der vierte Generationswechsel

Vor wenigen Jahren nun galt es, wieder einen Generationswechsel über die Bühne zu bringen, mittlerweile den vierten. Eine der vier Töchter, Roy, lernte das Weinhandwerk nicht nur von der Pike auf, sondern später auch mit Diplom.

Anfang der 70er Jahre war sie Badische Weinkönigin, später Deutsche Weinprinzessin. Nach dem Wunsch ihres Vaters, aber auch nach ihrem eigenen Willen, sollte sie das Weingut übernehmen. Wie schon immer in der Familiengeschichte wurde wirklichkeitsnah und mutig entschieden. Kaum hatte die Tochter Roy den Betrieb übernommen, stellte sie den Betrieb um auf den umweltschonenden Weinbau. Auf chemischen und synthetischen Dünger und auf Schädlingsbekämpfungs-mittel wird verzichtet. Die Alternativen nehmen sich geradezu poetisch aus: die schädlichen Insekten werden mit zusätzlichen Sexualduftstoffen so verwirrt, dass sie zu einer Vermehrung nicht mehr in der Lage sind. Der Boden wird verbessert, indem im Sommer tonnenweise Gänsefedern in die Weinberge ausgebracht werden. Das ist nicht nur gut für den Wein, sondern auch für Gänsewein, denn die wirksamen Nährstoffe sickern nicht bis ins Grundwasser durch.

Vor wenigen Jahren nun galt es, wieder einen Generationswechsel herbeizuführen. Als «riesigen Glücksfall» werteten Roy und die ganze Familie den Kellermeister und auch Geschäftsführer, Fritz Deutschmann. Dieser setzte bis 2005 mit unermüdlicher Energie und fundiertem Wissen Ideen und Konzepte in die Tat um und hat mit der Erstklassigkeit seiner Weine ganz hervorragende Resultate erzielt. Zu nennen sind zum einen der exzellente Balsamessig aus einer Ruländer Auslese, nach dem die Köche der Spitzengastronomie Schlange stehen, zum anderen der neue Rotwein, der im Barriquefass zu internationaler Grösse heranreift und die Palette von hochfeinen Gutedel und Burgunderweinen.

Nachdem Fritz Deutschmann aufgrund seiner Wahl zum Auggener Bürgermeister das Weingut verlassen hat, sind seine Nachfolger dabei, die erstklassige Arbeit fortzuführen und mit neuen Ideen die Weine und das Weingut weiterzubringen. Unser Nachwuchstalent Frank Schmid, gerade mal dreissig und kurz vor der Meisterprüfung, hatte den Mut in die Fussstapfen seines Lehrmeisters Fritz Deutschmann zu treten. Und er hat die Herausforderung mit Bravour bestanden. Das bestätigte bei der Jungweinprobe unserer 2005er die unbestechlichste Jury überhaupt, nämlich die Weine selbst: 18 brilliante, ausgewogene Weine, klar, filigran und jugendlich fruchtig, zugleich komplex und vielschichtig. Und jeder singt ein Loblied auf unseren Weinmacher Frank Schmid und sein Team.

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